Anthroposophische Medizin und die Prozesse im Stoffwechselsystem

Wie sich Stoffwechselprozesse im menschlichen Organismus charakterisieren lassen und welchen Faktoren außer der Ernährung dabei eine Rolle zukommt, zeigt Dr. Goyert im vorliegenden Band auf. Die Vorgänge werden dabei in ein ganzheitliches Bild zusammengeführt, das den Menschen in seiner Beziehung zur Welt und zum Geistigen darstellt.

Autor
Andreas Goyert

Hersteller
Freies Geistesleben

EAN
9783772526398


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Funktion des Stoffwechsels

Mehr als drei Jahrzehnte hat der Autor neben seiner Tätigkeit als Internist auch Kurse im Rahmen der Ausbildungen von Ärzten und Heileurythmisten verantwortet. Aus dieser Gemeinschaftsarbeit sind Gewissheit und Sicherheit darüber hervorgegangen, wie wertvoll und bereichernd die anthroposophische Menschenkunde für das Verständnis der Stoffwechselvorgänge beim gesunden und auch beim kranken Menschen ist.

Versucht man die Anatomie und die bekannten Vorgänge der Physiologie und Pathophysiologie mit der anthroposophischen Menschenkunde zu durchdringen, so kommt man rasch zu der Erkenntnis, dass die Anthroposophische Medizin keine Ergänzung der naturwissenschaftlich orientierten Medizin in dem Sinne ist, dass sie geisteswissenschaftliche Erkenntnisse den naturwissenschaftlich gewonnenen hinzufügt, sondern man bekommt vielmehr ein Bewusstsein davon, dass diese Vorgänge und auch die Anatomie in einem ganz anderen Licht erscheinen, das neue Perspektiven eröffnet und zu neuer und umfassenderer Beurteilung und Interpretation der bisherigen Erkenntnisse führt und im Hinblick auf die Beurteilung von Krankheiten andere Konsequenzen fordert.

(Andreas Goyert)

Inhaltsverzeichnis

Die Anthroposophische Medizin im Strom der Medizingeschichte | Der Magen-Darm-Trakt und die Ernährung | Die Tätigkeit der vier Wesensglieder im Verdauungstrakt | Die Ernährung | Der weitere Weg der Nahrungssubstanz nach innen | Die Ausscheidung | Das Immunsystem | Anthroposophische Medizin und Heileurythmie


Rezension

 Andreas Goyert ist Gastroenterologe und war von 1993-2009 leitender Internist an der Filderklinik und fasst nun seine reichen Erfahrungen in diesem knapp 300 Seiten umfassenden, klar und verständlich geschriebenen Werk zusammen. Es geht um die Verdauung in unserem Organismus und ihren Zusammenhang mit den höheren Wesensgliedern des Menschen. Der Autor versteht es nicht als Lehrbuch, sondern als Anregung und Einführung in das Denken der anthroposophischen Menschenkunde und Medizin. Mit dem Buch sollen alle im medizinischen Strom Tätigen: Ärzte, Heileurythmisten, Kunsttherapeuten, Pflegende und Psychotherapeuten angesprochen werden.

Einleitend weist der Autor darauf hin, dass die Anthroposophische Medizin, die eigentlich eine zukünftige, eine Äthermedizin ist, nicht als bloß hinzugefügte Ergänzung der naturwissenschaftlich orientierten Medizin zu sehen ist, sondern dass hier Anatomie und Physiologie in einem ganz neuen Licht erscheinen, welches letztlich den Blick auf ein viel umfassenderes Menschenbild freigibt.

Es beginnt mit einem historischen Rückblick über die Entwicklung des medizinischen Denkens durch die Kulturepochen. Zur Zeit der urindischen und urpersischen Kultur gab es eine reine Priester-Medizin, bei der die Gedanken noch ganz in der göttlichen Wesenheit bzw. im Ich erlebt wurden. Die mesopotamische Medizin war vornehmlich im Astralischen beheimatet und bezog ihre Einsichten aus den Offenbarungen einer magisch-dämonischen Natur. Der Priester hatte auf seinem Weg zum Kranken ganz auf die umgebenden Naturerscheinungen zu achten, die ihm Auskunft über Wesen und Prognose der jeweiligen Erkrankung gaben.

Das medizinische Denken der Griechen orientierte sich hauptsächlich an der Wirksamkeit der vier Elemente, die Gedanken wurden im Ätherleib erlebt und entsprechend sahen die Heilkundigen nicht das Gewordene, die physischen Endpunkte der Entwicklung, wie das die heutige Medizin tut, sondern der griechische Arzt fasste ganz das Prozessuale, das Werdende ins Auge und hatte dabei eine große Beweglichkeit im Denken, wie es in den Dialogen des Plato zum Ausdruck kommt. Dieser nannte das Ätherische die »Amme allen Werdens«, über die die Urbilder des Seins vermittels der vier Elemente abbildhaft zur Erscheinung gebracht werden. Als Vier-Säfte-Lehre reichte das griechische Denken bis in die Neuzeit hinein.

Die letzte Bewusstseinsetappe ist die heutige, die ein ganz auf das gewordene Werk, auf die rein physischen Tatbestände gerichtetes Denken entwickelt hat und zu den großen Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Medizin geführt hat. Die anthroposophische Medizin markiert nun den Beginn des Wiederaufstiegs des medizinischen Denkens durch die Wesensglieder hindurch, was mit einem durch Michael inspirierten freien Willen verbunden ist. Eine zukünftige Medizin kann nur eine Äthermedizin sein, wenn sie über die Detailanalysen hinaus die großen lebendigen Zusammenhänge wieder ins Blickfeld nimmt.

Im Folgenden wird dem Leser am Beispiel eines Apfels der Weg durch den Verdauungskanal bzw. -prozess gezeigt. Stufenweise wird dieser durch die Elemente zurückgeführt, wobei er im Mund zunächst seine feste physische Form verliert und dabei dem Ich als Geschmackserlebnis zugeführt wird. Der nun zu Mus verarbeitete Apfel erfährt im Magen eine weitere Verflüssigung und erste chemische Auflösung (Astralleib). Durch die Verdauungssäfte im oberen Dünndarm wird der Nahrungsbrei schaumig, d.h. das Luftige, das im Magen noch getrennt als Magenblase erscheint, verbindet sich im Dünndarm mit dem Nahrungsbrei und die Stofflichkeit des Apfels wird weiter bis zur Unkenntlichkeit verfeinert – das Geschehen wird vom Ätherleib dominiert. Beim Durchtritt der maximal verfeinerten Substanz durch die große Oberfläche der Darmschleimhaut in die Blutwärme (sprich: bei der Aufnahme der Nahrung in die strömende Ätherqualität des Kreislaufs) ist von der äußeren Natur des Apfels nichts mehr übrig. Der abgetötete Stoff wird im Wärmeprozess neu belebt.

Im Organismus wird die Nahrung nun durch das Nierensystem weiter zu einer beseelten, empfindungsfähigen Substanz umgearbeitet und somit für die Tätigkeit des Astralleibes aufgeschlossen. Über das Leber-Galle-System wird der Nahrungsstoff auf die Stufe der geisttragenden Substanz, d.h. in die Gestaltungskraft der Ich-Organisation gehoben. Gleichzeitig werden durch die Ausscheidungsprozesse von Stuhl, Urin und Galle die Seelenkräfte für das Denken, Fühlen und Wollen frei.

Es sind im Verlauf des Textes immer wieder ähnliche, aufeinander aufbauende Grafiken eingefügt, die sich gleichsam mit dem Verarbeitungsprozess der Nahrung bzw. mit der inhaltlichen Verarbeitung des Themas umformen und weiterentwickeln und so dem didaktischen Aufbau des Buches eine rhythmische Struktur geben. Am Ende des ersten Teils wird gezeigt, wie die gestaltende Kraft der Ich-Organisation in den Wärmeprozessen des rhythmischen Systems die beiden polaren Gestaltungsprinzipien – den mehr zentrifugal wirkenden Substanzstrom aus dem Stoffwechselbereich und die mehr zentripetal abformenden Kräfte aus dem NervenSinnes-Bereich – in einer Art GleichgewichtsChoreografie verbindet. Die Zusammenhänge werden dabei in einer Art und Weise klar strukturiert und anschaulich dargestellt, dass man den Eindruck bekommt, das Fein-Säuberliche des Gliederns, Separierens und Verarbeitens im Verdauungsprozess werde im didaktischen Modus der Darstellung selbst lebendig.

Es folgt ein Kapitel über die Ausscheidungsprozesse, wobei hier näher auf die Darmflora eingegangen wird. Goyert sieht in den Vorgängen des Enddarms einen Todesprozess und bezeichnet die hier lebenden Mikroben als Leichname der äußeren Flora, wobei er auf Rudolf Steiner Bezug nimmt, der davon spricht, dass wir der Darmflora die Gedanken, d.h. die Bildekräfte wegnehmen würden. Angesichts der in jüngster Zeit festgestellten, enormen genetischen Vielfalt der Mikroorganismen im Darm, ihrer hohen Stoffwechselplastizität und nicht zuletzt wegen ihrer vielschichtigen Bedeutung für die Physiologie und Gesundheit des Menschen ist es nun die Frage, ob man angesichts dieser vitalen Prozesse von Leichnamen der äußeren Fauna und Flora beziehungsweise von Todesprozessen sprechen kann. Zweifellos kommt der Darmflora auch eine das Immunsystem heranbildende Bedeutung zu. Könnte es sein, dass der Mensch deshalb ein so kleines Genom von nur etwa 20.000 Genen besitzt – weniger als ein Wasserfloh – weil er über seine Darmflora (acht Millionen Gene!) genetisch gewissermaßen mit der ganzen äußeren Natur verbunden ist und somit das Mikrobiom im Sinne einer verinnerlichten Ur-Biosphäre als Unterlage benutzt, um aus diesen noch nicht ausgeformten Bildekräften der Mikroorganismen – der Mensch verhindert gewissermaßen ihre Weiterentwicklung zu Pflanzen und Tieren – sein Gedankenleben zu ernähren? Gehört nicht vielleicht das Mikrobiom zu dem aus der äußeren Welt stammenden, aufbauenden Substanzstrom, aus dem der obere Nerven-Sinnes-Mensch seine dem äußeren Äther verwandten Gedanken abformt? Man kann diese Fragen getrost offenlassen und darf auf die weiteren Erkenntnisse der Mikrobiomforschung gespannt sein. (Ein sehr anregender Austausch zu dieser Thematik fand im Rahmen der Mikrobiologentagung am 9. und 10. Oktober 2015 in Dornach statt).

Auch das Kapitel über das Immunsystem ist von einer seltenen didaktischen Klarheit. Über 35 Seiten wird hier ein kompliziertes Thema komprimiert und anschaulich so dargestellt, dass man es jedem Medizinstudenten als Grundlage nur wünschen kann. Vor allem die enge funktionelle Verflechtung von Nerven- und Immunsystem, die ja für jedes Verständnis von psychosomatischen und auch pädagogischen Zusammenhängen so entscheidend ist, wird hier sehr prägnant und einleuchtend präsentiert.

Der letzte Teil des Buches handelt von der Heileurhythmie. Da der Autor durchgehend immer wieder auf die höheren Wesensglieder und ihre Tätigkeiten aus verschiedenen Perspektiven Bezug nimmt, kann auch der in diesen Dingen noch unerfahrene Leser die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit einer zukünftigen Äthermedizin erkennen, deren Amme sozusagen die Heileurhythmie ist. Durch diese Form der Heilkunst erlangen wir erstmals einen willentlich bewussten Zugriff auf unseren Ätherleib, der letztlich die Quelle ist, aus der alle Gesundheit und Lebenskraft sich speist.

Wer sich also einen gründlichen Einblick in das Wesen von Ernährung, Verdauung und Immunologie in Verbindung mit der Tätigkeit der höheren Wesensglieder verschaffen will, dem sei diese höchst nahrhafte und bekömmliche, wissenschaftliche Vollwertkost empfohlen. Wer richtig innerlich mitgeht bei diesem Buch und sich in die wirklich ganz aus der Sache heraus gestaltete Darstellungsform und in die Denkbewegungen des Autors hineinfühlt, der kann bemerken, dass schon im Lesen dieses Buchs eine gewisse therapeutische Wirksamkeit liegt.

Quelle: Die Drei, Heft 2, 2016

Erscheinungsdatum: 10.06.2015
Auflage: 1.
Seiten: 200
Einbandart: gebunden, mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-7725-2639-8

Dr. med. Andreas Goyert, geboren 1949, absolvierte nach dem Medizinstudium die Ausbildung zum Internisten und eine Weiterbildung in psychosomatischer Medizin. Seit 1989 ist er in der Inneren Abteilung der Filderklinik tätig, von 1993 bis 2009 als Leitender Arzt. 2009 begann er mit dem Aufbau und der Leitung der Privatambulanz für Anthroposophische Medizin an der Filderklinik. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Gastroenterologie, Onkologie und Anthroposophische Medizin. Daneben ist er auch als Dozent und Vortragsredner tätig.
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