Aenigma - Ausstellungskatalog

Hundert Jahre anthroposophische Kunst

von David Voda, Reinhold J. Fäth

Wir haben die letzten Bestände ausgegraben dieses wunderbaren, umfangreichen Ausstellungskatalogs (400 Seiten, 474 Abbildungen). Eine Übersicht über 100 Jahre anthroposophische Kunst. Neben Aufsätzen zur anthroposophischen Kunst und angrenzenden Fragestellungen finden sich darin auch Kurzbiografien sehr vieler Künstler (s.u.)


EAN 9788074670831

Hersteller: ARBOR VITAE

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Die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts schien jede größere Kunstbewegung beschrieben und chronologisch eingeordnet zu haben. Allerdings hat niemand vorhergesehen, wie die Theosophin und Anthroposophin Hilma af Klint in den letzten Jahren die kodifizierte Geschichte der abstrakten Kunst in Erschütterung versetzen würde. Af Klint repräsentiert jedoch nur einen kleinen Teil jener großen Kunstbewegung, über die international erstmals in der Monographie Aenigma / Hundert Jahre anthroposophisch Kunst umfassend publiziert wird. Die Anfänge dieser Bewegung sind mit München und Stuttgart (1907-1913), vor allem aber mit dem nahe Basel gelegenen Dornach verbunden, wo 1913 rund um den Bau des ersten Goetheanum eine reformorientierte Künstlerkolonie entstand. An der Schwelle des Ersten Weltkriegs fanden hier esoterisch orientierte Kultureliten aus West- und Osteuropa, Skandinavien und Russland Zuflucht und folgten Rudolf Steiner - dem charismatischen österreichischen Philosophen, Naturwissenschaftler, Pädagogen, Architekten und Sozialreformer. Die Monographie stellt neben Studien zur anthroposophischen Kunst 125 Künstlerpersönlichkeiten vor, die im Zeitraum 1913-2013 auf vielen Gebieten interdisziplinär tätig waren: Architektur, Bildhauerei, Malerei, Grafik, Kunsthandwerk und Design, Textilkunst, Spielzeugdesign, Buchgestaltung (von Kinderbüchern bis hin zum Samisdat), Bühnenbild, Eurythmie, Poesie und moderne Musik. Es existiert eine bisher weitgehend ungeschriebene und unerforschte Geschichte anthroposophischer Kunst vom Europäischen Format.

 

Besprechungen

"Eine visuelle Fundgrube an Künstlerviten und Bildbeispielen. Faszinierend, auch für mich, wie viele Künstler sich Rudolf Steiners Kunstimpulsen angenähert haben und in diesem Katalog dokumentiert wurden. Neu in der Literatur sind vor allem die Kapitel zur tschechischen und polnischen Entwicklungsgeschichte anthroposophischer Kunst, auch das macht dieses Ausstellungsprojekt mit seinem Katalog überraschend. Chapeau! Ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung! Ich bin beeindruckt. Gleichwohl dürfte klar sein, dass eine kritische wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Kunstrichtung und deren Protagonisten (inkl. der Führung der Anthroposophischen Gesellschaft) nicht nur Schmeichelhaftes bescheinigen würde. Insbesondere das hundertjährige Repetieren von Steiner-Zitaten innerhalb der Bewegung signalisiert Perspektivlosigkeit und Stagnation, die nicht sein müsste: Transzendierung der Materie, eine der Kernpunkte anthroposophischer Farbenlehre, findet heute auch in den Lightshows von Rockkonzerten sowie der Entwicklung virtueller Realitäten Niederschläge, deren Wurzeln durchaus in der Anthroposophie zu suchen wären." Andreas Mäckler, https://www.meine-biographie.com/neuerscheinung-aenigma-hundert-jahre-anthroposophische-kunst/

Die Geschichte der anthroposophischen Kunst im 20. Jahrhundert wird oft als eine Problemgeschichte voller Rätsel beschrieben. Schon der für das Forschungsgebiet notwendige Begriff „anthroposophische Kunst“ erweist sich als problematisch. In der anthroposophischen Literatur wurde der Begriff einerseits umstandslos verwendet oder mit Synonymen wie Goetheanumkunst, goetheanistische Kunst, anthroposophisch orientierte Kunst, durch Anthroposophie geprägte Kunst umschrieben. Andererseits wurde er auch gänzlich in Frage gestellt. So gibt es paradoxerweise eine anthroposophische Bewegung mit einer gut hundertjährigen Kunstgeschichte, die ihr Kunstschaffen in der Anfangszeit der 1910er bis 1930er Jahre vorwiegend als anthroposophische Kunst bezeichnete und seit den 1950er Jahren diesen Begriff zunehmend vermied, ablehnte und schließlich selbst den Inhalt des Begriffs als nicht existent erklärte. Aus dieser Motivation heraus hat sich das Ausstellungsprojekt AENIGMA. 100 Jahre anthroposophische Kunst entwickelt, das 2015 die Kunstmuseen im tschechischen Olmütz und in Halle (Saale) gemeinsam realisieren. Erstmals wird explizit die Frage gestellt: Gibt es so etwas wie anthroposophische Kunst und wenn ja, wie sieht diese aus?

Das Ausstellungsprojekt ist etwas Besonderes und Einzigartiges! Eine derartige Präsentation von Werken der bildenden und angewandten Kunst vor dem Hintergrund der Frage, inwiefern man von einer anthroposophischen Kunst innerhalb der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts sprechen kann und was darunter zu verstehen ist, hat es noch nicht gegeben. Die Ausstellung geht der Frage nach, wie sich von anthroposophischen Ideen beeinflusste Kunst vor 1945 darstellt. Es werden ausschließlich und erstmals Künstler vorgestellt, die Mitglied der 1918 gegründeten anthroposophischen Künstler- und Ausstellungsvereinigung AENIGMA waren oder zu Lebzeiten bewusst in anthroposophischen Zusammenhängen auftraten und ausstellten.
Das Ausstellungsprojekt ist zudem aus einem weiteren Blickwinkel von hoher Relevanz: Anthroposophische Kunst war im Gebiet der neuen Bundesländer zwischen 1933 und 1989/90 unterdrückt. De facto wurden anthroposophische Künstler seitens der Nationalsozialisten unter Druck gesetzt und verfolgt. Ihre Werke wurden beschlagnahmt oder vernichtet, dennoch wurden sie nach 1945 in der ehemaligen DDR in einer Weise ignoriert und übergangen, als ob sie nicht Opfer, sondern Täter gewesen wären. Mystik und Okkultismus waren in ein schlechtes Licht geraten, nachdem die Nationalsozialisten sich auf derartige Dinge beriefen. Obschon in der ehemaligen DDR, ebenso wie in der BRD, die Freiheit der Kunst verfassungsrechtlich festgeschrieben war, wurde die Doktrin des Sozialistischen Realismus von der Regierung verordnet und durchgesetzt – gegen die Widerstände von vielen Künstlern und Kunstinstitutionen wie der Burg Giebichenstein in Halle. Dies begründet gerade in den neuen Bundesländern ein nach wie vor in hohem Maße defizitäres Wissen über Anthroposophie und durch sie beeinflusste oder initiierte Kunst.

Eine Besonderheit stellt der Korrespondenzstandort Ostrau in der Gemeinde Petersberg im Saalekreis dar. Mit Ostrau ist das Museum über die Person Hans-Hassos von Veltheim und dessen Kunstsammlung seit Langem verbunden. Hans-Hasso von Veltheim (1885–1956) war über viele Jahre mit Rudolf Steiner befreundet. Sie tauschten Briefe, von Veltheim baute eine umfangreiche Sammlung anthroposophischer Schriften auf und beauftragte zwei Künstler aus Steiners Umfeld, Felix Kayser und Maria Strakosch-Giesler, einer Schülerin Wassily Kandinskys, mit Entwurf und Ausstattung seiner Grabkapelle in der Ostrauer Schlosskirche sowie mit der Errichtung eines Grabdenkmals für seine Mutter. Die Grabkapelle ist im Kontext der anthroposophisch geprägten Sepulkralkultur in Deutschland etwas Einmaliges. In seiner Besonderheit und Einzigartigkeit stellt es ein immobiles Ausstellungsobjekt sondergleichen dar. Im Rahmen der Ausstellung wird in Ostrau in einer Kabinettausstellung zum Leben von Veltheims und zu seinen Bezügen zur Anthroposophie installiert.

aus: https://www.anthroposophie.ch/de/kuenste-architektur/news/artikel/aenigma.html

 

Künstler der Ausstellung (Auswahl - Kurzbiographien im Buch)

Alo Altripp, Friedrich Bergmann, Walter Besteher, Joseph Beuys, Werner Diedrich, Luna Drexler, Oswald Dubach, Bernhard von Eyb, Ernst Georg Haller, Jacoba van Heemskerck, Arthur Jacobi, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Felix Kayser, Hilma af Klint, Walther Kniebe, Werner Löffler, Rudolf Michalik, Carlo Pietzner, Hilde Pollak, Richard Pollack-Karlin, Joseph Prinke, Rudolf Ritter, Arild Rosenkrantz, Paul Schatz, Karl-Georg Schoettle, Fritz Schulte, Rudolf Steiner, Maria Strakosch-Giesler, Karl Thylmann, Assja Turgenjeff, Anton Josef Trčka, Gerard Wagner, Jakob Werner-Baumgartner, Margarita Woloschin, Winifred Zielonka

 

Erscheinungsdatum: 2015

400 Seiten,

474 farbige Abbildungen

Format: 264 x 230 mm

Fester Leineneinband

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