Das imaginative Lebenstableau

Meditative Erkenntnis aus Kindheitskräften

- Erstmalige Zusammenschau zum Thema Lebenstableau - Grundlagen für eine erweiterte Psychologie - Ein neuer Fokus auf den Meditationsweg von Rudolf Steiner - Mit Buchrezension

Autor
Rudolf Steiner / Andreas Neider (Hg.)

Hersteller
Rudolf Steiner Verlag

EAN
9783727454189


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Das Lebenstableau und seine Bedeutung für die seelisch-­biografisch Entwicklung Der Meditationsweg, wie ihn Rudolf Steiner beschrieben hat, beginnt mit der Intensivierung des wachen, denkenden Bewusstseins. Wer diesen Weg konsequent und geduldig beschreitet, wird allmählich gewahr werden, wie das Gedankenleben sich aus der subjektiven Tätigkeit löst und in ein Gewebe eintritt, in dem sich das eigene Leben seit Kindheit an vor einem ausbreitet. Rudolf Steiner spricht hier vom Lebenstableau. Darin werden die Kräfte der Kindheit erlebbar, die mit dem Kosmischen verbunden sind. Durch sie wachsen wir, und sie wirken in allen Lebensprozessen. Die meditative Schau des Lebenstableaus ist der Beginn des imaginativen Bewusstseins, in dem sich eine Anschauung des eigenen Ätherleibes ergibt. Der Herausgeber schildert anhand von Äusserungen Rudolf Steiners diesen Weg der Erfahrung des Lebenstableaus und zeigt auf, welche Konsequenzen sich für das meditierende Bewusstsein daraus ergeben. Den Weg zur Aktivierung der Kindheitskräfte kennt auch die Psychologie, wenn sie vom «inneren Kind» spricht. Insofern bilden die Darstellungen Rudolf Steiners eine Ergänzung, Fortsetzung und Vertiefung dieses therapeutischen Ansatzes, liegt doch darin eine Quelle zur Stärkung und Gesundung von Leib, Seele und Geist.


Textauszug

Wenn der Mensch ein solches imaginatives Erkennen erlangt hat, dann ist er zunächst imstande, den eigenen Lebenslauf, den er von Kindheit auf bis zum gegenwa?rtigen Augenblicke durchlebt hat, wie in einer Einheit, wie in einem Zeittableau zu überschauen. Man hat ein fortwährendes innerlich bewegtes Werdendes vor sich als seinen eigenen Lebenslauf. Das ist aber, indem man durch das imaginative Erkennen diesen Lebenslauf jetzt betrachtet, nicht etwa gleich dem, was man sonst wie Erinnerung an das Leben vor sich hat, sondern was man nun vor sich hat, ist so real, wie eben die Wachstums­, die Lebenskra?fte sind, die aus dem Ko?rper des kleinen Kindes heraus die ganze seelische Konfiguration treiben, dann im weiteren Verlaufe das Denken und so weiter treiben. Alles, was sich da innerlich herausarbeitet, was die Entwicklung des a?therischen Organismus des Menschen im Laufe des Lebens ist, das u?berschaut man. Von dem, was man so u?berschaut und was viel realer ist als das Tableau der Erinnerungen, von dem sind die Erinnerungen, die in das gewo?hnliche Bewusstsein eintreten, nur wie eine Art Abglanz, wie eine obere Welle, die aufgeworfen wird von Tiefenvorga?ngen, in die man jetzt eindringt, Tiefenvorga?ngen des Lebens, a?therischen Vorga?ngen, die sonst gar nicht ins Bewusstsein eintreten, uns aber gestalten, formen, uns im Leben werden lassen von unserer Geburt bis zum gegenwa?rtigen Augenblick.


Rezension: "Verdienstvoll und hilfreich"

Neben Schriften wie ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹ oder ›Stufen der höheren Erkenntnis‹, in denen Rudolf Steiner den Schulungs- und Meditationsweg der Anthroposophie in zusammenhängender Form dargestellt hat, gibt es im Vortragswerk viele einzelne Stellen zum Schulungsweg und seinen Erlebnisdimensionen, die oft andere und auch vertiefende Aspekte zu dem im schriftlichen Werk Dargestellten in den Mittelpunkt rücken. So ist es verdienstvoll und hilfreich, dass Autoren und Verlage seit Jahren Gesichtspunkte des anthroposophischen Schulungsweges unter thematischen Schwerpunkten veröffentlichen. Dazu gehört auch das 2017 von Andreas Neider im Rudolf Steiner Verlag herausgegebene und kommentierte Büchlein mit dem Schwerpunkt des imaginativen Lebenstableaus.

Das imaginative Lebenstableau ist ein Rückblick auf das gesamte Leben, der direkt nach dem Tod für den Verstorbenen erscheint. Auch auf dem Schulungsweg tritt diese geistige Erfahrung ein, und zwar dann, wenn sich der Meditierende vom physischen Leib loslösen kann und in die imaginative Welt eintritt. Er lebt dann in einem Denken, das aber zur Imagination wird, d.h. Kraftgestalt annimmt. Diese Kraftgestalten verdichten sich zum sogenannten Lebenstableau. Wobei dieses – auf dem Weg der geistigen Schulung – nicht unbedingt als Gesamtlebenstableau, sondern gegliedert nach den Lebensperioden, die man durchlaufen hat und mit denen man sich nun erneut beschäftigt, erscheint. Die Kraftgestalten, die der Meditierende wahrnimmt, sind hierbei verbunden mit den Wachstums- und Lebensprozessen, die am eigenen Leib in einer zurückliegenden Periode des Lebens gearbeitet haben. Man nimmt also durch das imaginative Denken die vergangene Tätigkeit des eigenen Ätherleibs wahr. So wird man zurückgeführt bis zu den Ätherkräften, die von der Geburt und der frühen Kindheit an den eigenen Leib gebildet und zum Wachsen gebracht haben. Was physisch gesehen in der linearen Zeit ablief und damit längst vergangen ist, wird nun in der Imagination als räumlich anwesend und gegenwärtig erlebt. Dadurch vertieft sich die Selbsterkenntnis, ein »zweiter Mensch« wird erlebt.

Während die physische Konstitution des menschlichen Leibes geistig gesehen ohne das Lebenstableau, wie Steiner in diesem Zusammenhang betont, undurchsichtig bleibt, weil die eigentlichen Funktionen und Leibesprozesse mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht hinreichend durchschaut werden können, ändert sich das nun. Denn das Lebenstableau gibt Kunde darüber, wie sich z.B. die Nerven und die Sinne bilden und was sie bedeuten. Neben dieser auf den Leib gerichteten Forschungsrichtung kann außerdem die Richtung hin zu den Erinnerungen des wachen Seelenlebens beschritten werden, denn auch zwischen dem Lebenstableau eines bestimmten Zeitabschnittes und den Erinnerungen aus der entsprechenden Periode bestehen Korrespondenzen. Gleichwohl – dies macht die Auswahl von Andreas Neider sehr deutlich – sind die Erinnerungen, die wir im Gegenstandsbewusstsein haben, noch nicht die Kraftgestalten des Lebenstableaus. Auf dem Schulungsweg geht es also um ein bewusstes Vermitteln zwischen den Kraftgestalten und den dazugehörigen Erinnerungen.

Zugleich kann das Eintauchen in die Sphäre des eigenen Ätherleibs in seiner Doppelrolle zwischen leibbildenden Kräften und wachem Seelenleben für das ganze Gebiet der Psychosomatik und psychosomatischer Therapieansätze einen unschätzbaren Wert darstellen.

Quelle: Die Drei, Heft 7/8, 2018

Erscheinungsdatum: 25.05.2017 
Auflage: 1
Seiten: 184
Einbandart: Paperback
Format / Gewicht: 18,0 x 11,5 cm
ISBN: 9783727454189
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