Gläserne Kuppeln

von Edda Singrün-Zorn

Durch Länder und Meere Durch Erde und Kosmos Durch Tod und Leben Führst Du mich, großer Gott. Nur dann und wann fällt das Licht Deiner silbernen Fäden in meine Augen, Und ich schaue das Verborgene, Wenn Deine Hände Du öffnest.


EAN 9783939240501

Hersteller: jürgensendesign

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Angaben zur Person: Edda Singrün-Zorn (* 27. März 1924 in Nürnberg; † 16. Februar 2017 in Karlsruhe) war eine deutsche Schauspielerin, Schriftstellerin und Dichterin. Nach einer Karriere als Schauspielerin verlagerte sie ihre Tätigkeit auf die Arbeit mit Laiengruppen. Sie lebte in Karlsruhe und hat zahlreiche Bücher zu Themenbereichen wie Legenden, Märchen, Gedichte und Geschichten veröffentlicht.

Diese Erzählung lässt uns in die Gedanken und Gefühlswelt eines jungen Mädchens blicken, die durch Verluste in der Zeit des Krieges heranreift und es schwer hat, sich in der äußeren Welt zurechtzufinden. Durch die Hilfe des Bruders und durch ihre schöne Stimme ist sie unentbehrlich in einer jungen Gemeinde. Sie lernt, sich selber in einem neuen Licht zu sehen. Ihre anfängliche Hellsichtigkeit führt sie zu sich selbst, indem sie die richtige Entscheidung bei der Partnerwahl trifft.
 

Text der Rückseite: In den nächsten Wochen trafen sie sich häufig. Sie durchstreiften zusammen die Gegend, saßen stundenlang auf den Mauern einer verfallenen Burg oberhalb der Stadt, oder wanderten an den Sonntagen im nahen Gebirge. Je länger sie sich kannten, desto freier fühlte sich Barbara und die Trauer, in der sie gefangen, hob sich von ihr wie ein Schleier. Sie empfand die Schönheit des beginnenden Sommers nicht mehr wie einen feinen Schmerz, sondern sie genoß die blühenden Wiesen, das Lerchenlied über den Feldern, die Kühle der Wälder, und immer öfter erklang ihr fröhliches Lachen. Die dunkle Kleidung die sie seit dem Tode des Freundes wie einen Schutzmantel getragen, tauschte sie ein gegen lichte, bunte Gewänder, wohl wissend, daß sie es nicht nur zur eigenen Befreiung tat, sondern auch zum Gefallen des andern, den sie noch nicht nach seinem Namen gefragt, den sie „den andern“ nannte, wie um sich gegen ihn zu schützen und den Toten vor ihm zu wahren.

Doch eines Abends, als sie plaudernd auf den Burgmauern saßen, meinte er belustigt: 

„Ich heiße nicht „Du“, ich habe einen Namen“ und nach einer kleinen Pause „Ich heiße Chanon!“ 

„Chanon? Ein dunkler Name, fremdartig und voller Rätsel.“ 

Er lächelte seltsam und sagte stolz: 

„Mein Vater war Priester, ein Eingeweihter. Er soll mich lange betrachtet haben, ehe er mich auf diesen Namen taufte.“ 

“Ein Priester?“ 

Er sah sie an und fragte nur „Na und?“ „Wo ist er jetzt?“

„Keine Ahnung, warum auch sollte es mich interessieren?“ 

„Und deine Mutter?“ 

„Sie ist unbedeutend, und bedeutend für mich.“ 

Aus dem Inhalt:
Wie zur Bestätigung suchte sie in den nächsten Tagen in der Zeitung bis sie jene kleine Anzeige entdeckte, wie sie seit Monaten seitenweise gedruckt standen:
 
„Heute erhielten wir die schmerzliche Nachricht...“ 
und darunter das Datum des Traumtages. Sie faltete das Blatt sorgfältig zusammen und sagte ruhig als spräche sie von etwas Belanglosem:
„Florian ist tot.“
 
Wochen später verließ Barbara Stadt und Elternhaus. Sie fuhr an einen kleinen Ort im Süden des Landes. Hier in einer stillen Straße der Vorstadt bezog sie ein Zimmer in einem alten Herrenhaus. Ringsum träumten Villen hinter bemoosten Mauern, durch dunkle Taxushecken schimmerten steinerne Putten, Blumenkörbe aus weißem Marmor, und über allem lag der Duft des späten Frühjahres.

 

Erscheinungstermin: 27.02.2021
Auflage:
Produktform: Softcover
Seiten: ca. 70 mit 6 gesamtzahl Abbildungen
Format: 210 x 150 mm
Einbandart:
ISBN: 9783939240501