Leben im Geiste der Anthroposophie

Eine Autobiografie

In dieser Autobiografie, die eine überaus berührende und wesentliche Schrift ist, erzählt Mario Betti von seinem Pfad, aufrichtig und durch viele Klippen des Lebens hindurch, mit inneren Fragen, die erwachten und sich immer intensiver geltend machten, mit spirituellen Erlebnissen, anfänglich auch mit Träumen, darunter von Rudolf Steiner selbst.

Autor
Mario Betti

Hersteller
Verlag des Ita Wegman Instituts

EAN
9783905919677


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«Als ich vor über vierzig Jahren der Anthroposophie begegnete, dachte ich zuerst, Rudolf Steiner würde noch leben. Ich absolvierte gerade meine letzten Monate als Soldat in Rom, als ich auf einem Flohmarkt ein Buch über Steiners Leben und Werk fand. Erst am Ende der Lektüre stellte es sich heraus, dass er bereits Jahrzehnte vorher gestorben war. Ein Gespräch mit ihm war also nicht mehr möglich. Und wie gerne hätte der damals Zweiundzwanzigjährige den Eingeweihten persönlich kennengelernt. Zunächst blieb ihm also nur übrig, sich in das anthroposophische Studium zu vertiefen, um Antwort auf die Fragen zu bekommen, die sich seit längerer Zeit angesammelt hatten. Dann besuchte ich das Goetheanum in Dornach, wurde Mitglied in der Anthroposophischen Gesellschaft und später der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft und schlug einen neuen Berufsweg ein.»

In dieser Autobiografie, die eine überaus berührende und wesentliche Schrift ist, erzählt Mario Betti von seinem Pfad, aufrichtig und durch viele Klippen des Lebens hindurch, mit inneren Fragen, die erwachten und sich immer intensiver geltend machten, mit spirituellen Erlebnissen, anfänglich auch mit Träumen, darunter von Rudolf Steiner selbst.

Aus dem Vorwort von Peter Selg 


Rezension

Eine biografische Erzählung, die aus Kenntnis des persönlichen karmischen Hintergrundes verfasst ist, kann einen Tiefgang möglich machen, wie es kein Memoirenschreiber fertigbrächte. Mit der vorliegenden Autobiografie gibt Mario Betti ein Beispiel dafür, wie der Schicksalsführung im eigenen Leben erzählend nachgespürt werden kann.

Die wohlbehütete Kindheit in einem Vorort von Lucca fiel in die unmittelbare Nachkriegszeit, mit zwei um fünf und zehn Jahre älteren Brüdern. Die an der Stadtmauer gelegene Umgebung bot vielerlei Spielmöglichkeiten mit gleichaltrigen Kindern. Doch eine frühzeitige Einschulung des Fünfjährigen blieb nicht ohne Folgen: Weil dies gesetzlich in Italien so nicht möglich war, wurde er zunächst von einer Privatlehrerin unterrichtet und ein Jahr später gleich in die zweite Klasse der Grundschule aufgenommen. Der Übergang in die weiterführende Mittelschule gestaltete sich dann aber schwierig. Immer wieder wurde er krank und musste mehrfach die Klassenstufen wiederholen. Die italienische Mittlere Reife erhielt er nach eigenen Worten nur, um in die Berufsschule überwechseln zu können.

Aber inzwischen hatte sich eine Sprachbegabung gezeigt, z.B. an der Vorliebe, eine Bemerkung gleich in mehreren Sprachen herzusagen. Die Eltern ließen ihn deshalb eine kaufmännische Ausbildung an einer Hotelfachschule in Montecatini ergreifen. Der damit verbundene Sprachunterricht in vier europäischen Fremdsprachen – neben Englisch und Deutsch auch Spanisch und Französisch – eröffnete ihm einen beruflichen Werdegang, der ihn in mehrere europäische Länder führen sollte. Praktika während dieser Ausbildungszeit fanden unter anderem im Süden Englands und in Stuttgart statt. Die erste berufliche Anstellung führte ihn nach Barcelona. Es liegt auf der Hand, welche Anregungen damit verbunden waren und wie Betti im Wechsel zwischen verschiedenen Sprachen einen lebendigen, beweglichen Geist entwickeln konnte.

Während der unvermeidlichen militärischen Grundausbildung in Rom fand Betti ein Büchlein des brasilianischen Schriftstellers Inglez de Souza, das ihn mit den Ideen Rudolf Steiners bekannt machte. Fortan war die Anthroposophie Teil seines geistigen Strebens. Die Tätigkeit in einem Hotel in Zürich ermöglichte in der freien Zeit Ausflüge nach Dornach, wo er wenige Monate später eine bezahlte Anstellung fand. Damit war die – siebenjährige – berufliche Tätigkeit im Hotelgewerbe beendet. Mit vollem Eifer nutzte er nun die ihm zur Verfügung stehende Zeit, um an anthroposophischen Kursen teilzunehmen, sich in Sprachgestaltung, Eurythmie und Malen zu üben und die laufenden Vorträge hören zu können. So begegnete er Persönlichkeiten wie Hans Büchenbacher, Friedrich Hiebel und Herbert Witzenmann und erlebte die festgefahrenen Konflikte um die Nachlassfrage am Goetheanum. Vielleicht waren es diese Verhärtungen, die ihn später wiederholt darstellen ließen, wie sich gegensätzliche Geistesströmungen und Weltanschauungen gerade in ihrer Polarität ergänzen.

So intensiv ging er in der am Goetheanum gelebten Sprachenvielfalt auf, dass bei einer Begegnung mit Bruno Nardini Zweifel an seiner italienischen Muttersprachlichkeit aufkamen. Nardini, der im Verlag Mondadori eine leitende Funktion ausübte, verschaffte ihm dort eine Anstellung, weshalb die noch in Dornach begründete Familie mit ihm nach Verona zog. Viele weitere Ortswechsel folgten, stets verbunden mit neuen Lebensaufgaben. Betti wurde zweiter Geschäftsführer der Waldorfschule am Engelberg, absolvierte am Emerson College eine Ausbildung zum Waldorflehrer, kehrte als Lehrer für Englisch, Geschichte und Kunstgeschichte an den Engelberg zurück, wurde Dozent erst an der Alanus-Hochschule in Alfter und schließlich am Lehrerseminar in Stuttgart. Allen diesen Wechseln lag ein feines Gespür für die mangelnde Übereinstimmung von innerer und äußerer Situation zugrunde oder sie wurden durch Schicksalsereignisse förmlich erzwungen. Mit der Zeit wurde die Erkenntnis der Schicksalskräfte immer mehr in den eigenen Willen aufgenommen und konnte in der Tätigkeit als Dozent und Berater zum Ausdruck gebracht werden. Auch die Arbeit als Schriftsteller wurde intensiver, vor allem, nachdem gesundheitliche Probleme eine Reduzierung des Lehrauftrags erforderlich machten.

Es fällt auf, dass der Lebensbericht die späteren Jahre eher gerafft wiedergibt. Regelrecht überraschend war es mir, dass Mario Betti die eigenen Schriften recht beiläufig erwähnt. Dabei hat er durch sie einen bedeutenden Beitrag zum Dialog und gegenseitigem Verständnis der verschiedenen Geistesströmungen innerhalb der Anthroposophie geleistet. Mit seinem Buch über ›Platonismus – Artistotelismus und die Zukunft der Anthroposophie‹ gelang es ihm, diese Geistesströmungen in ihrem geschichtlichen Verlauf transparent zu machen. Und doch weist bereits die erste deutschsprachige Veröffentlichung ›Wer ist der Gral‹ von 1984 darauf hin, dass andere Grundpolaritäten von Mysterienströmungen in der Welt ebenso wirksam sind wie dieser oft genannte Gegensatz. Italien und Deutschland haben beide bedeutende Kulturleistungen hervorgebracht und waren über Jahrhunderte im Heiligen Römischen Reich miteinander verbunden. Wie eine schöpferische Transformation dieser alten Verbindung zu Beginn eines neuen spirituellen Zeitalters erscheint diese mit leichter Hand erzählte und dennoch tiefschürfende Lebensbeschreibung. 

Quelle: Die Drei, Heft 6, 2016

Erscheinungsdatum: 20.07.2015
Auflage: 1.
Seiten: 269, 28 Abb.
Einbandart: Broschur

ISBN 978-3-905919-67-7

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