Mysterium Wolke

Ein Bild des Menschwerdens

Von der sichtbaren Erscheinung am Himmel zum "Urphänomen Wolke" und ebenso von dem, was die meteorologische Wissenschaft zur Wolkenbildung zu sagen hat, bis zur Wolke und ihrer Bedeutung in der Heiligen Schrift wird der Leser vom Autor geführt.

Autor
Hans Klaus Becker

Hersteller
Novalis Verlag


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Er geht davon aus, dass alle materiellen (und auch seelischen) Dinge sich ihrer Bedeutung nach nicht in sich selbst erschöpfen, sondern auf ihren Ursprung deuten, und zeigt, dass die Wolke, so wie sie äußerlich erscheint, nicht zu dem hinlangt, was sie eigentlich ist. Erst im Geistigen ereignet sie sich, ist sie sich eigen, ein Ereignis. Sie ist zwar Tatsache, aber ihrer Vollständigkeit nach nicht beschreibbar, denn Geistiges kann man zwar in Worte fassen, die Wirklichkeit ist aber nur erlebbar – im Werk.
Eine bestimmte Seelenhaltung und –stimmung ist also notwendig, dorthin zu finden, wo in einer höheren Seelen-Geist-Region die Erscheinung Wolke denk- und erlebbar wird. Diese Seelenhaltung ist eine liebevolle, hervorbringende Kraft in den Lebens- und Seelenkräften des Menschen. An sie appelliert dieses Buch.


Rezension

Hans Klaus Becker hat Ostern dieses Jahres ein kleines, aber außerordentlich reichhaltiges Buch mit dem Titel Mysterium Wolke – ein Bild des Menschwerdens im Novalis Verlag erscheinen lassen. Es ist eine Lebensfrucht, die er einerseits seiner Kindheit auf dem Lande, weitläufigen Reisen und jahrzehntelangen Segeltouren verdankt, andererseits dem Theologen Friedrich Benesch, der die Natur immer als Schöpfung schaffender Geister darzustellen verstand und zu eigenen, liebevollen Beobachtungen anregte. Rudolf Steiners Beschreibungen des kosmischen und menschlichen Werdens und der apokalyptischen Zukunft befruchteten zudem seinen Blick auf das Alte und Neue Testament mit den darin enthaltenen Wolkenerscheinungen und den aus ihnen hervortretenden himmlischen Wesen.

Die Grundstruktur des Büchleins nennt er schon im Vorwort: »Die Wolke, ein Relikt ‑ die Wolke, ein Zukunftsbild des Menschen.« Das Buch soll »dazu verhelfen, … ausgehend von … den wissenschaftlichen Ergebnissen physikalischer Art, mit Intellekt, Verstand, Vernunft, Weisheit und Liebe zur Sache, mit aufwärts gerichtetem Geist, über die reine Wahrnehmung wieder zum Urbild zu kommen.«

Der Autor führt uns durch die Mythologie der Griechen, Germanen, Hindus, ihre Götter- und Schöpfungsmythen und durch die großen Bilder des Alten Testaments, in denen Gott das Volk Israel aus der Wolke heraus führt und lehrt, bis zu den embryologischen Prozessen des werdenden Menschen und stellt dabei dar, wie sich aus wolkenhaften Hüllen die Welt makrokosmisch und mikrokosmisch herauskonkretisierte: Kosmos und Natur als Urzustand dessen, was uns heute noch als Wolke am Himmel erscheint. Goethes Wolkengedichte zu »Howards Ehrengedächtnis« rufen uns die Klassifikation der Wolken ins Gedächtnis. Genaue Schilderungen des Wolkenentstehungsprozesses lassen uns die Wolke – dargestellt am Cumulus – als ein dreigliedriges Werdewesen erfassen, das mittels des Wärmestamms (unter und in der Wolke) den Kondenskörper (die Wolke in der Gestalt eines Baumwipfels) entwickeln kann, der sich in Eisbildungen und Regentropfen (dem Gewitteramboss) wieder auflöst. Damit hat er das Bild der Wolke und das Prinzip Wolke (im Auf und Ab die Substanzen für das Werden erzeugen) vor uns hingestellt.

Auf dieser Ebene reicher Schilderungen entwickelt der Autor dann subtil das menschliche Seelenwesen in Denken, Fühlen und Wollen, indem eines das andere spiegelt und beleuchtet. Er vermag dabei die Seelenentwicklung des Menschen so zu schildern, dass, ohne zu moralisieren, das Bild des christusfähigen Menschen entsteht. Ja, mit Worten von Paulus, Novalis und Heidegger und mit den Schilderungen des Apokalyptikers (Kapitel 10) führt er vor Augen, wie die Seele des Menschen, die jetzt an den Leib gebunden auf der Erde lebt, sich wieder zu kosmischer Größe weiten kann und damit in die Sphäre geführt wird, in die Christus nach der Auferstehung, aufgehoben von einer Wolke, den Menschen voranleuchtet.

Es ist ein Buch von großer Dichte und großem Reichtum, liebevoll geschrieben aus dem ganzen Leben eines Priesters, den das Alter jetzt in kontemplative Zurückgezogenheit geführt hat.

Quelle: Die Drei, Heft 12, 2014

Erscheinungsdatum: 06.2014
softcover,124 S. 10 farb. Abb. 135 x 2010 mm
ISBN 978-3-941664-42-5
Hans Klaus Becker, geb. 1938 in Kassel, dort Ingenieur-Ausbildung und einem Berufsjahr Weiterbildung zum Architekten an der Kunsthochschule Hamburg. Fünf Jahre Tätigkeit in Hamburg. Danach Theologie-Studium zum Priester der Chris tengemeinschaft in Suttgart und Freiburg i. Br. Als Pfarrer tätig von 1973 - 1993 in Hamburg-Blankenese und von 1993 bis 2008 in Flensburg. Das beinhaltete in den 35 Jahren auch Religions- und Ethikunter- richt in allen Waldorfschul-Klassen. Seit der Seminarzeit war das Wetter und mit zunehmendem Alter immer mehr die Philosophie durchgehendes Thema.
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