Der Druide von Aiona

Eine hybernische Einweihung

von Walter Weber, Johannes Greiner

Dieses Büchlein enthält die Erinnerungen des Schweizer Anthroposophen Walter Weber an eine keltische Einweihung in einem frühere Leben. Walter Weber (1898-1991) erweist sich mit dieser erstmals 1975 erschienenen Schrift als Pionier der Reinkarnations- und Karma-Erkenntnis.


EAN 0001234580399

Hersteller: Edition Widar

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Präzise Beobachtungen und treffende Schilderungen der damaligen Verhältnisse und Einweihungsumstände werden mit der Sprachkraft eines begabten Dichters in eindringliche Worte gebracht. Die von Walter Weber selbst gemalten Bilder illustrieren das Geschriebene. Die angefügte Lebensskizze mit vielen autobiographischen Schilderungen enthält auch einen Bericht der Begegnung mit Rudolf Steiner. Unabhängig von dem interessanten karmischen Zusammenhang zwischen Walter Webers Leben und der im Druiden von Aiona geschilderten Ereignissen kann man die Erzählung als für sich stehendes Kunstwerk betrachten, die Schönheit und Expressivität der Sprache bewundern, die Bilder wirken lassen und in das ergreifende Schicksal eines in einer Übergangszeit lebenden Druiden miterlebend eintauchen.


Rezension

1975 hatte Walter Weber (1898–1991) die Geschichte einer mißlingenden druidischen Einweihung auf Iona und Staffa, zwei Inseln der Inneren Hebriden, im Selbstverlag veröffentlicht. Damals ging diese Schrift wohl in kleiner Auflage an wenige Freunde und Interessierte. Wie der damalige Leser aus beigefügten Tagebuchaufzeichnungen Webers aus dem Jahre 1950 erfahren konnte, basierte die Erzählung auf karmischen Erinnerungen, die Weber direkt nach dem Besuch der Insel Staffa während der Überfahrt nach Iona überfielen. Er war mitten im Gespräch mit anderen Reisenden, als der Vorhang, der das jetzige Leben von früheren Zeiten trennt, aufgezogen wurde: »Plötzlich, mitten im gleichgültigen Gespräch, während ich so gedankenverloren der Insel nachschaute, brach es über mich herein wie ein ungeheurer Sturm. Ich fühlte mich jählings, ich weiß nicht wieviele Tausend Jahre zurückversetzt in eine namenlos liebe, warme, sonnige Welt, die mich mit unaussprechlichem Heimweh erfüllte. Wie ein Film rollten rätselvolle Bilder vor mir ab, die mich erschütterten.« (S. 53) Weber versuchte daraufhin über ein Jahr lang erneut zu diesen Bilderwelten vorzudringen, Einzelheiten des druidischen Lebens und des Einweihungsgeschehens dingfest zu machen. Die veröffentlichte Erzählung sowie von ihm gemalte Bilder, die jedoch nicht mehr im Original vorhanden sind, basierten auf dieser Arbeit. Man kann es wohl den Schicksal ordnenden Kräften zuschreiben, dass durch Johannes Greiners und Renatus Derbidges langjährige Beschäftigung mit Walter Weber, seinem Schicksal im 20. Jahrhundert und seinen Rückerinnerungen an ein Druidenleben nun eine erneute Veröffentlichung möglich wurde – ergänzt um ein Vorwort von Renatus Derbidge und eine biografische Skizze von Johannes Greiner, in der auch der Versuch unternommen wird, die Ereignisse und Schicksalstatsachen von Webers diesmaligem Leben in fragender und tastender Art und Weise mit Ereignissen des Druidenlebens in Beziehung zu bringen. Zugleich kann man die Erzählung über den ›Druiden von Aiona‹ und seine Einweihung aber ganz unabhängig von den biografischen Zusammenhängen des späteren Lebens lesen. Sie wirkt in ihrer Sprachkraft und durch die Bilder, die sie im Leser erzeugt. Erzählt wird der Lebenslauf eines jungen Druiden von Kindesbeinen an: die druidische Schulung, die Entbehrungen, die er zu ertragen hat, schließlich die Einweihung auf Staffa. Wir erfahren viel von den starken Empfindungen und Gefühlen des Druidenzöglings. In ihnen kündigt sich die Persönlichkeit an. Darin scheint mir ein Grund zu liegen, warum die Einweihung scheitern muss. Doch scheitert sie nicht so, dass der Zögling stirbt (viele starben in der Fingalshöhle auf Staffa, weil sie den Proben nicht gewachsen waren). Das Besondere in der Erzählung ist: Schon im Erlebnis der nicht gelingenden Einweihung deutet sich an, um was es zukünftig in neuen Formen der Einweihung, die mit dem Christuswesen verbunden sind, gehen wird. Wie im Vorblick nimmt der Druidenzögling wahr, wie aus der Sonne sich der Christus der Erde – bzw. Iona – nähert. Dieses Doppelte: einerseits Scheitern und ZuEnde-Gehen einer alten Welt und andererseits Neubeginn, prägt – bei aller Tragik, die über dem Leben des ›Druiden von Aiona‹ liegt – auch den weiteren Verlauf seines Lebens. Die direkte Folge des Misslungenen ist sein seelisch zerrütteter Zustand. Er ist verrückt geworden. Diese Verfassung ändert sich erst nach langen Qualen und nach einem Opfer, das der ihm nächste Mensch bringt. So zieht schließlich der Friede und die Liebe in ihn ein und er kann gegen sein Lebensende als christlicher Druide noch wohltätig wirksam werden. Deutlich wird, wenn man die Erzählung auf sich wirken lässt, dass es sich bei solchem Scheitern und Neubeginnen nicht allein um individuelle Prozesse und Stufen handelt. Vielmehr wird plastisch am Einzelschicksal erlebbar, wie sich darin Menschheitsschicksal darlebt und spiegelt. Durch das geistig wahrgenommene Christusereignis erfährt das druidische Einweihungserleben einen neuen, davor nicht dagewesenen Mittelpunkt. Deswegen musste vieles Alte weggeschafft werden und sterben. Iona, das damals zu Irland gehörte und ein Mittelpunkt druidischen Lebens war, spielte in dieser Umwandlung der Einweihungswege eine besondere Rolle. Sicher ist es auch kein Zufall, dass einige Jahrhunderte später durch die Wirksamkeit Columbans von Iona die Bewegung des iro-schottischen Christentums ausging. Walter Weber sagt am Schluss seiner Erzählung, diese stehe »in der astralen Aura von Aiona eingeschrieben. Wer lesen kann, wird sie dort finden«. (S. 31) Als ich Ende 2016 das vorliegende Buch in die Hände bekam, verband es sich unmittelbar mit den Eindrücken, Bildern und Themen, die mich selbst, als ich im Sommer 2016 auf Iona war, beschäftigt hatten. So kann ich dieses Büchlein jedem, der sich für das Druidentum und für das iro-schottische Christentum interessiert, wärmstens empfehlen. Darüber hinaus ist es ein wichtiges und mutiges Zeugnis für Erinnerungen aus einem früheren Leben. 1975 war die Zeit noch nicht so, dass persönliche Reinkarnationserinnerungen eine Rolle spielten. Das beginnt sich heute zu ändern. Auch in diesem Kontext ist es gut, dass es dieses Büchlein gibt.

Quelle: Die Drei, Heft 12, 2017

Erscheinungsdatum: 2016
Auflage: 1
Seiten: 176
Bindeart: Softcover