Vom Geschöpf zum Schöpfer

Die Genesisfresken Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle

von David Hornemann v. Laer

Die kritische Auseinandersetzung mit dem Gegenstand, die den Aussagewert zahlreicher Forschungsergebnisse an den Bildern überprüft, ergibt eine neue, wahrnehmungsbasierte Grundlage für zukünftige Debatten und liefert der Michelangelo-Forschung eine neue Grundlage.


EAN 9783867830034

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»Mach, was du willst!« –

Mit diesen Worten gab Papst Julius II. Michelangelo freie Hand, die Decke der Sixtinischen Kapelle aus eigener Intuition zu gestalten. So entstand vor rund 500 Jahren eines der größten und komplexesten Bildwerke der Menschheit. Seitdem hat Michelangelos Werk von seiner unerschöpflichen Wirkkraft nichts eingebüßt. Seine immer neue Faszination provozierte in unzähligen Studien und Interpretationen auszusprechen, was der Künstler mit seinen Fresken zur Schöpfungsgeschichte dargestellt und gemeint hat.

David Hornemann v. Laer stellt sich dieser Interpretationsgeschichte. Er erweitert jedoch den bisherigen Horizont um entscheidende Fragen: Wie wirken diese Bilder, wenn man sie wirklich anschaut? Wie erschließt sich im Anschauen ihr Sinn? Er verfolgt damit ein methodisches Verfahren, das nicht allein das Bild als Objekt, sondern zugleich den Prozess des Wahrnehmens selber zum Gegenstand der Reflexion macht, das heißt die Interaktion zwischen dem Betrachter und dem vom Künstler gestalteten Gebilde.

Die vom Künstler kalkulierten Bildwirkungen können so aus einer wahrnehmungsorientierten genauen Beschreibung der anschaulichen Bildbestände erschlossen werden. Die daraus resultierenden Wirkungen zeigen, dass die Fresken darauf angelegt sind, den Betrachter im Anschauen zu einer Neuentwicklung von Begriffen anzuregen. Dieser Aspekt ist in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema bisher noch nicht berücksichtigt worden.

Die Untersuchung versteht sich aber nicht als eine letztgültige Gesamtinterpretation, sondern möchte dazu anregen, die Bilder in ihrer Eigenevidenz und Wirkung sehen zu lernen. Die hierbei angewandte Methodik fördert zugleich neue Einsichten in zentrale Gestaltungs- und Wirkungsprinzipien dieser auch nach Jahrhunderten nur oberflächlich bekannten Bilder zutage, die bislang nicht beschrieben wurden.

Die kritische Auseinandersetzung mit dem Gegenstand, die den Aussagewert zahlreicher Forschungsergebnisse an den Bildern überprüft, ergibt eine neue, wahrnehmungsbasierte Grundlage für zukünftige Debatten und liefert der Michelangelo-Forschung eine neue Grundlage.

INHALT

Vorwort

1. MICHELANGELOS DECKENFRESKEN – EINE NÄHERUNG?
1.1 Zum Stand der Forschung
1.2 Zur Methodik
1.1.1 Zum anschauenden Begriff
1.1.2 Bildrezeption als Bildproduktion
1.1.3 Theorie als anschauende Praxis
1.2 Konsequenzen für das methodische Vorgehen
1.3 Zur Sixtinischen Kapelle
1.4 Eingrenzung und praktische Durchführung

I. »Die Trunkenheit Noahs«
I.1 Bestandsaufnahme der szenischen Darstellung
I.1.1 Schauplatz und Figuren
I.1.2 Die szenische Situation
I.1.3 Zur Identifizierung der Söhne
I.1.4 Zur Rollenfunktion der Söhne
I.1.5 Zur Identifizierung und zeitlichen Differenzierung der Handlung
I.1.6 Zur dramatischen Situation
I.1.7 Die Dramatik unterstützende szenische Elemente
I.1.8 Zur Nacktheit der Figuren
I.2 Diskussion
I.3 Der ruhende Noah und seine Söhne

II. »Die Sintflut«
II.1 Bestandsaufnahme der szenischen Darstellung
II.1.1 Der Schauplatz
II.1.2 Die Figuren
II.1.3 Die szenische Situation
II.1.4 Zur Identifizierung und zeitlichen Differenzierung der Handlung
II.1.5 Zur dramatischen Situation
II.2 Diskussion
II.3 Die Arche Noah und das Verhalten der Menschen in Not

III. »Das Opfer Noahs«
III.1 Bestandsaufnahme der szenischen Darstellung
III.1.1 Der Schauplatz
III.1.2 Die Figuren
III.1.3 Die szenische Situation
III.1.4 Zur zeitlichen Differenzierung der Handlung
III.1.5 Zur dramatischen Situation
III.1.6 Die Dramatik unterstützende szenische Elemente
III.2 Diskussion
III.3 Noahs Innewerden der Gottesbotschaft und die Zurüstung zur Fahrt mit der Arche

IV. »Der Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies«
IV.1 Bestandsaufnahme der szenischen Darstellung
IV.1.1 Der Schauplatz
IV.1.2 Die Figuren
IV.1.3 Die szenische Situation
IV.1.4 Zur zeitlichen Differenzierung der Handlung
IV.1.5 Zur dramatischen Situation
IV.1.6 Die Dramatik unterstützende szenische Elemente
IV.2 Diskussion
IV.3 Der Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies

V. »Die erschaffung evas«
V.1 Bestandsaufnahme der szenischen Darstellung
V.1.1 Schauplatz und Figuren
V.1.2 Die szenische Situation
V.1.3 Zur zeitlichen Differenzierung der Handlung
V.1.4 Zur dramatischen Situation
V.1.5 Die Dramatik unterstützende szenische Elemente
V.1.6 Ignudi
V.2 Diskussion
V.3 Die Aufrichtung Evas zwischen Adam und Gottvater

2. Zwischenergebnis
2.1 Gestaltungsprinzipien
2.1.1 Funktionale Mehrdeutigkeit
2.1.2 Dramatische Inszenierung
2.1.3 Selektion und Neukonstellation
2.1.4 Motiv-Verschiebung
2.2 Wirkungsprinzipien
2.2.1 Bildübergreifende Komplexität
2.2.2 Komplexität und Konzentration
2.2.3 Steigerung der Dramatik durch Engführung der Kontraste

VI. »Die Erschaffung adams«
VI.1 Bestandsaufnahme der szenischen Darstellung
VI.1.1 Der Schauplatz
VI.1.2 Die Figuren
VI.1.3 Die szenische Situation
VI.1.4 Zur zeitlichen Differenzierung der Handlung
VI.1.5 Zur dramatischen Situation
VI.1.6 Die Dramatik unterstützende szenische Elemente
VI.2 Diskussion
VI.3 Annäherung zwischen Geschöpf und Schöpfer

VII. »Die scheidung von Himmel und wasser«
VII.1 Bestandsaufnahme der szenischen Darstellung
VII.1.1 Schauplatz und Figuren
VII.1.2 Die szenische Situation
VII.1.3 Zur Identifizierung und zeitlichen Differenzierung der Handlung
VII.1.4 Die dramatische Situation
VII.1.5 Die Dramatik unterstützende szenische Elemente
VII.2 Diskussion
VII.3 Gottes schöpferisches Tun

VIII. »Die Erschaffung von Sonne, Mond und Pflanzen«
VIII.1 Bestandsaufnahme der szenischen Darstellung
VIII.1.1 Der Schauplatz
VIII.1.2 Die Figuren
VIII.1.3 Die szenische Situation
VIII.1.4 Zur Identifizierung und zeitlichen Differenzierung der Handlung
VIII.1.5 Die dramatische Situation
VIII.1.6 Die Dramatik unterstützende szenische Elemente
VIII.2 Diskussion
VIII.3 Die Doppelpräsenz Gottvaters im Zwischenbereich von Sonne, Mond und Erde

IX. »Die Scheidung von Licht und Finsternis«
IX.1 Bestandsaufnahme der szenischen Darstellung
IX.1.1 Schauplatz und Figur
IX.1.2 Die szenische Situation
IX.1.3 Zur Identifizierung und zeitlichen Differenzierung der Handlung
IX.1.4 Die dramatische Situation
IX.1.5 Die Dramatik unterstützende szenische Elemente
IX.2 Diskussion
IX.3 Das Trennen von Licht und Finsternis

3. Schlussbetrachtung und Ausblick

4. DOKUMENTATION
4.1 Der Weg der Wahrheit und des Irrtums
4.2 Dokumente zur Deckenausmalung
4.3 Briefe Michelangelos
4.4. Reflexionen Michelangelos
4.5 Auszüge aus der »Italienischen Reise« von Johannes Wolfgang von Goethe
4.6. Goethe über das Sehen und die Kunst
4.7 Adaptionen zum VI. Deckenfresko

4. Bibliographie

5. Zu den Abbildungen

6. Personen- und Werkregister

Über den Autor:

Dr. phil. David Hornemann v. Laer,

geboren 1971, studierte Kunstgeschichte und Erziehungswissenschaften in Stuttgart und Hamburg und promovierte an der Universität Witten/ Herdecke über Michelangelos Genesisfresken. Seit 2002 forscht und lehrt er dort an der Fakultät für Kulturreflexion.

208 Seiten, 38 farbige, 13 schwarz/weiß Abbildungen, gebunden
Herausnehmbare Farbtafeln der neun Genesisfresken im Großformat von 27 x 38 cm

EUR 48,00 
ISBN 978-3-86783-003-4