Es geschah - in der Gegenwart

Zwei Messiasgestalten in den Schriftrollen von Qumran - Jakob und Esau und der Nahostkonflikt

von Elsbeth Weymann

Zwei Messiasgestalten? Als Rudolf Steiner aus seinen Forschungen heraus darstellte, dass es z w e i Jesusknaben, einen priesterlichen und einen königlichen, gegeben habe, war das für viele Menschen ein Schock. Ganz unerwartet wurde diese Frage dann neu belebt. 40 Jahre nach Steiners Aussage war in den 1947 in der judäischen Wüste entdeckten Essenischen Schriften ganz selbstverständlich von zwei Messiasgestalten, einem priesterlichen und einem königlichen, die Rede. Untersucht wird, ob und wie sich diese Aussagen verbinden lassen.


EAN 9783982135441

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Aus dem Vorwort

Die drei Aufsätze dieses Buches haben gemeinsam, dass sie alle aus meinen Übersetzungen aus jüdischem und christlichem Kontext, aus den hebräischen und griechischen Originalsprachen der Bibel entstanden sind. Jedes Mal staunte ich, wie durch wortgeschichtliche Kontexte und Mit-Aussagen der Grammatik sich wie von selber eine Brücke zu zeitgeschichtlichen Fragen heute bildete.

Zwei Messiasgestalten?

Als Rudolf Steiner 1909 zum ersten Mal aus seinen Forschungen heraus darstellte, dass es z w e i Jesusknaben, einen priesterlichen und einen königlichen, gegeben habe, war das für viele Menschen ein Schock. Diese Aussage wirkte tief befremdlich und erschreckend. Von Vertretern bei der christlichen Konfessionen wurde und wird diese „These“ bis heute sehr heftig angegriffen und bekämpft .Sie gilt als vollkommen unvereinbar mit den Evangelien.

Ganz unerwartet wurde diese Frage dann neu akut belebt. 40 Jahre nach Steiners Aussage war in den 1947 in der judäischen Wüste entdeckten Essenischen Schriften ganz selbstverständlich von zwei Messiasgestalten, einem priesterlichen und einem königlichen, die Rede. Hinzu kam dann noch eine außerbiblische Quelle, eine überlieferte Erbfolgeregelung durch König David, die ebenfalls diese Doppelheit der Messiasgestalten bestätigt. Untersucht wird in dem Aufsatz zu dieser umfassenden Thematik, ob und wie sich diese Aussagen verbinden ließen.

Alle drei thematisch durchaus verschiedenen Darstellungen, in denen es um Jakob und Esau, den Propheten Jona und den Messias Jesus geht, verbindet aber, dass wir es mit „Söhnen Abrahams“ zu tun haben

Söhne Abrahams

Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels ( 2017 ). Die unrechtmäßigen Besatzungen von palästinensischem Grund und Boden und bewusst das Land zerstückelnde Inbesitznahme durch jüdische Siedler( 2019) werden—entgegen international anerkanntem Völkerecht -- l e g a l i s i e r t ! Beides durch die USA. Vermehrt daraufhin, wiederum heftige Raketenangriffe vom Gazastreifen aus nach Israel. Tote und Verwundete auf beiden Seiten.

Der Israel/Palästina –Konflikt hat Wirkungen weit über das betroffene Gebiet hinaus .Er ist und bleibt eine tiefe und gefährliche Welt-Wunde.

Die Geschichte dieses schrecklichen und verlustreichen, bis in unsere Gegenwart immer wieder tödlich aufflackernden Dauerkrieges zwischen Juden und Palästinensern lässt sich erstaunlicher Weise bis in die Geschichten der Söhne Abrahams Isaak und Ismael und der Zwillings(!)brüder Jakob und Esau, zurückverfolgen.

Palästinenser sind nach eigenem und jüdischem Selbstverständnis Nachfahren des Abraham Sohnes Esau. Juden, die des Erzvaters Jakob. Die Todfeindschaft der beiden Brüder Jakob und Esau führt in biblischem Kontext zu einer Versöhnung. Rache, unversöhnliche Feindschaft und Mordlust konnten verwandelt werden. Beide sind durch schwere Schicksals-und Seelenprüfungen gegangen, bis sie —durch Begegnung von Angesicht zu Angesicht--- sich neu „sehen“ lernen.

Nicht dass biblische Geschichten einfache Lösungen für heutige, unlösbare Weltprobleme bieten könnten. Aber ich versuche in meinem Aufsatz zu zeigen, dass in diesen Lebenswegen und deren Aussage etwas aufscheint, das Gedanken eine neue Richtung geben könnten. Es gibt bereits viele Initiativen, Projekte im gemeinsamen Leben und Lernen und in der Kunst, die sich der gemeinsamen Wurzeln von Juden und Arabern bewusst sind und in diesem Sinne wirken. So singt z.B. 2018 das jüdisch-arabische Musikensemble Andalusious :

„Juden und Muslime ,
denkt daran , immer,
geschaffen wurden Isaak und Ismael beide
vom König des Universums...“

Sie erinnern an die gemeinsame Wurzel beider Völker, schon eine Genration vor Jakob und Esau. Und sie machen Mut zu einer neuen Gemeinsamkeit. Die positiven Reaktionen auf diesen Song von Hörern im Internet in unendlich vielen Sprachen, vor allem auch auf Hebräisch und Arabisch, ist überwältigend.

Jona

Als 2014 das selbsternannte Kalifat Islamischer Staat IS mit Zeitungsartikeln und Filmen im Internet die Zerstörung des Grabes des Propheten Jona in Mossul bildwirksam und brutal in Szene setzte, wurde dies weltweit mit Entsetzen aufgenommen und kommentiert. Jona wird von Juden, Moslem und Christen in gleicher Weise als Prophet verehrt. Seine sehr besondere Geschichte, drei Nächte im Inneren eines riesigen „Fisches“ zu überleben, ist sogar Menschen bekannt, die nicht gerade Bibelleser sind.

Diese anteilnehmende Erschütterung könnte, über die Empörung an dieser bewussten Vernichtung hinaus, eine Frage aufwerfen: Vielleicht gibt es so etwas wie ein Kollektives Unbewusstes, auch weit über kulturelle und ethnische Grenzen hinaus? Werden in der Geschichte des Jona Themen dargestellt, die menschheitlich –allgemeine Fragen der Seele betreffen?

Elsbeth Weymann

 

Die Autorin Elsbeth Weymann

1942 in Kiel geboren. Studium in Freiburg und Athen. Staatsexamen in Germanistik, Geschichte und Altgriechisch. Hebraicum und einige Semester theologische Studien an der Universität München.

Berufstätigkeit - 2 Jahre in der Heilpädagogik, Urnäsch, Schweiz. 25 Jahre Oberstufenlehrerin an den Waldorfschulen in München und Stuttgart. Seit dem Ruhestand - Dozentin für Griechisch am Priesterseminar in Hamburg und für Methodik/Didaktik innerhalb der Waldorflehrerfortbildung - u.a. in Osteuropa/Baltikum.

Erscheinungsdatum: Nov. 2020
Auflage: 1. Auflage
Produktform: Hardcover
Seiten: ca. 84 zahlreiche farbige Abbildungen
Format: 148 x 210 mm
ISBN: 978-3-9821354-4-1