Aufbruch zur VI. Kulturepoche

Frühe Aufsätze und anderes

von ValentinTomberg |

„Die Herausgabe dieser Werke scheint an der Zeit zu sein. Diese Aufsätze von Tomberg waren lange verschollen, da sie versehentlich als Aufsätze von dem mit ihm befreundeten Nikolai Belozwetoff kursierten. Nach eingehender Prüfung und einem Vergleich der sonstigen Werke der beiden Autoren auf die Semantik der Begriffe und literarischen Stil war die Zuordnung nicht schwer zu vollziehen. Denn Belozwetoffs Werk führt in das reiche Gefühlsleben der Menschen, aber in die seelischen Bereiche des Gemüts. Tombergs Werk dagegen führt in die höchsten Sphären des Geistes."


EAN 9783923302628

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Zum Geleit

„Die Herausgabe dieser Werke scheint an der Zeit zu sein. Diese Aufsätze von Tomberg waren lange verschollen, da sie versehentlich als Aufsätze von dem mit ihm befreundeten Nikolai Belozwetoff kursierten. Nach eingehender Prüfung und einem Vergleich der sonstigen Werke der beiden Autoren auf die Semantik der Begriffe und literarischen Stil war die Zuordnung nicht schwer zu vollziehen. Denn Belozwetoffs Werk führt in das reiche Gefühlsleben der Menschen, aber in die seelischen Bereiche des Gemüts. Tombergs Werk dagegen führt in die höchsten Sphären des Geistes. Auch die Themen sind derart, dass der „Gemütsmensch“ oder auch der Verstandesmensch diese nicht hätte bestimmen und noch weniger beschreiben können.

Aufsatz I, Das Mysterium von Golgatha

„Wenn man sich in das heilige Mysterium von Golgatha zu vertiefen versucht, wird man feststellen müssen, dass eine meditative Vertiefung in das Sinnbild des Kreuzes ein Gefühl der innigsten Reue in uns erweckt. Dieses Gefühl, das die christlichen Gläubigen so gut kennen, muss bei einem Anthroposophen in unserer Zeit eine andere, mehr erkenntnismäßige Form erhalten.

In seiner reinsten Form kann dieses Gefühl der Schuld dem gekreuzigten Gott gegenüber an der „Philosophie der Freiheit“ Rudolf Steiners erlebt werden. Denn es gibt uns diese „Philosophie der Freiheit“ einen Schlüssel zur Ergründung des Mysteriums von Golgatha. Und zwar sind diejenigen Ideen der „Philosophie der Freiheit“ ganz besonders dazu geeignet das Mysterium des gekreuzigten Gottes zu ergründen, die sich auf das Wesen der menschlichen Freiheit beziehen. Denn die in der „Philosophie der Freiheit“ entwickelte Lehre vom Wesen der menschlichen Erkenntnis ist eine wahre Spiegelung des großen welthistorischen Geschehens.

Wie wir es ja wissen, ist laut dieser „Philosophie der Freiheit“ die menschliche Erkenntnis so gestaltet, dass der Mensch darauf angewiesen wird, am Anfang seiner Erkenntnistätigkeit den gesamten Ideengehalt der Welt, der ihm immanent bleibt, in sich auszulöschen, sodass dieser Ideengehalt der Welt sich in ihm zunächst nur als ein Erkenntnisstreben offenbart. Und dieses Erkenntnisstreben, dieses Unbefriedigtsein mit dem gegebenen Weltbild kann nur dadurch befriedigt werden, dass der Mensch am Ende seiner Erkenntnistätigkeit durch eine freie Anstrengung des Denkens den ursprünglich ausgelöschten Ideengehalt der Welt in sich wiederherstellt.
Und dem Umstand, dass die Erkenntnisorganisation des Menschen diese Gestalt hat, dem Umstand, dass der Mensch am Anfang seiner Erkenntnis die Wahrheit auslöschen muss, um sie danach, am Ende seiner Erkenntnis wieder selbstständig zu ergründen, diesem Umstand verdankt der Mensch seine menschliche Freiheit. Dank dieser Erkenntnisart wird die menschliche Freiheit auf eine wunderbare Weise dem Weltall einverleibt.

Doch dieses Erlebnis der menschlichen Freiheit ist nur eine Seite derjenigen Erfahrung, die durch das Studium der „Philosophie der Freiheit“ erlangt werden kann. Denn zunächst erfahren wir ja nur, auf welche Weise durch diese Erkenntnisart unsere menschliche Freiheit in der Welt möglich wird. Wir erfahren dadurch, was die ursprüngliche Auslöschung der Wahrheit und ihre Herstellung durch das Denken für den erkennenden Menschen bedeutet.“

Aufsatz II, Die Menschheit auf dem Weg nach Damaskus

„[...] Daher ist die ätherische Erscheinung des Auferstandenen etwas, was als ein höchstes Prinzip für die Rechtfertigung unserer Kultur uns gelten soll und ohne das die Kultur ebenso keine Wirklichkeit besitzt, wie die Wahrnehmungswelt, ohne der sie ergänzenden Ideenwelt. Denn, wie gesagt, unsere heutige Kultur ist nichts anderes als ein allumfassendes Problem, das nur durch die ätherische Offenbarung des Christus gelöst werden kann. Und wir können die ganze Menschheit als einen riesigen Menschen uns vorstellen, einen Menschen, der nach Damaskus eilt, um den Christus zu verfolgen, und der dem Christus entgegenschreitet.

Wie ein Schutzengel schwebt über diesem riesigen Menschen in der finsteren Erdennacht Michael, gegen die Schatten der Vergangenheit kämpfend, gegen die Gespenster der Vergangenheit, die aus dem Unterbewusstsein dieses Riesen emporsteigen. Das höhere Ich dieses riesigen Menschen ist Meister Jesus. Sophia ist sein Manas-Prinzip, der nathanische Jesus sein Buddhi-Prinzip und Christus sein Atma. Und alle diese Prinzipien wirken gemeinsam miteinander, sie alle gehören zu ihm und leben sich aus in seinem Schicksal.

Wahrlich ist die Menschheit ein riesiger Mensch, der nach Damaskus eilt. Und indem wir alle diese Prinzipien zusammendenken, können wir ahnen, wozu die heilige Christusoffenbarung uns zuteil werden wird. Denn sie wird ein Erlebnis sein, das ebenso plötzlich und unverhofft im Bewusstsein der Menschheit aufleuchten wird, wie der Blitz im dunklen Himmel aufleuchtet. Und zwar wird dieser blitzartige Erkenntnisakt so eintreten, dass dabei alle gekennzeichneten Wesenheiten, die als höhere Prinzipien des Riesenmenschen wirksam sind, daran mitwirken werden.“

llustriert von Elke Ritschel
Vorwort von Catharina Barker
Herausgegeben von Catharina Barker
Erscheinungstermin: 15.06.2020
Auflage: 1. Auflage
Produktform: Softcover
Seiten: 98
Format: 210 x 1480 mm
Einbandart: Paperback
ISBN: 978-3-923302-62-8