Wachsen

Über das Geistige in der Nachhaltigkeit

von Hildegard Kurt

Der Untertitel dieses Buches knüpft an Wassily Kandinskys Schrift Über das Geistige in der Kunst aus dem Jahr 1912 an. Mit der abstrakten Formensprache, als deren "Erfinder" er gilt, forschte Kandinsky nach jenem immateriellen Urgrund der Welt, wie er kurz darauf auf dem Terrain der Naturwissenschaft mit der Quantenmechanik erahnbar werden sollte.


EAN 9783867830355

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Nachhaltigkeit als Kultur des inneren Menschen

Der Untertitel dieses Buches knüpft an Wassily Kandinskys Schrift »Über das Geistige in der Kunst« aus dem Jahr 1912 an. Mit der abstrakten Formensprache, als deren »Erfinder« er gilt, forschte Kandinsky nach jenem immateriellen Urgrund der Welt, wie er kurz darauf auf dem Terrain der Naturwissenschaft mit der Quantenmechanik erahnbar werden sollte. Vor diesem Hintergrund ist das »Geistige« hier eine im Kandinskyschen Sinne offene Chiffre für ein Denken und Handeln, das über die bloße Ratio hinaus Verbindendes und Verbindlichkeit schafft, und das sich von der Wissenschaft und von der Kunst, aber ebenso auch aus Erfahrungswissen und, natürlich, aus spirituellem Wissen herleiten lässt.

Das Buch leistet einen Beitrag zur aktuellen Wachstumsdebatte. Von der Kulturphilosophie wie auch von der Kunst aus erkundet die Autorin Wege hin zu einem neuen, nicht mehr quantitativen, sondern qualitativen Verständnis von Wachstum. Sie nimmt dabei einen zentralen Gedanken des Ökonoms Ernst F. Schumacher auf: Wird die »Kultur des inneren Menschen« vernachlässigt, bleibt Selbstsucht die dominierende Kraft – gerade im Wirtschaftssystem. Die Ton angebenden Strömungen im Diskurs um Nachhaltigkeit befassen sich jedoch kaum mit dieser Kultur. Sie folgen natur- und sozialwissenschaftlichen, wirtschaftlichen und ordnungspolitischen Prioritäten. Das ist wichtig und unverzichtbar. Doch braucht die Nachhaltigkeit auch eine Seele. Denn ganz gleich wie aktiv wir sein mögen: Solange sich das Bewusstsein nicht entwickelt, wird alles Handeln nichts Neues bewirken.

Hildegard Kurt sucht nach Formen einer Wissenschaft, die über das Intellektuelle hinaus den ganzen Menschen ergreift und in Entwicklung bringt. Angesichts der Notwendigkeit, als Individuum und als Gesellschaft auf zukunftsfähige Weisen zu wachsen, verbindet sie dieses erweiterte Verständnis von Wissenschaft mit dem erweiterten Verständnis von Kunst, wofür einst Joseph Beuys die Formel prägte: Jeder Mensch ist ein Künstler.

INHALT

Einführung

  • Vom »entweder-oder« zum »und«
  • Der »Geist von Rio«
  • Dem Geist der Nachhaltigkeit Raum sein
  • Ein transtheoretischer Ansatz
  • Der Nachhaltigkeit eine Seele geben
  • Zur Innenseite der Welt

Aufbruch der klassischen Moderne 
Der Gang in die Abstraktion

  • Wider den Zeitgeist
  • Innere Notwendigkeit – Prinzip der Kunst des Lebens
  • Nicht wirklich gegenstandslos
  • Von der geschaffenen zur schaffenden Natur
  • Auch die Physik geht in die Abstraktion
  • Ein verpasster Paradigmenwechsel
  • Und noch ein verpasster Paradigmenwechsel
  • Jenseits des Dualismus von Geist und Materie
  • Radikal

Von wachsenden Skulpturen und vom Werden der Welt

  • Eine Ästhetik der Achtsamkeit
  • Primärarbeit
  • Die Soziale Skulptur und die Plastische Theorie
  • Evolution des Menschen zum Künstler
  • Vom Werden der Welt in den Wissenschaften
  • Wachsen jenseits von Akkumulieren

Neue Organe der Wahrnehmung entwickeln

  • Blick zurück nach vorn
  • Menschwerdung als ästhetischer Prozess
  • Revolte gegen Ratio
  • Goethes »zarte Empirie«
  • Shelley Sacks – Rückkehr zum lebendigen Selbst
  • Stetes Werden im Sichwandeln
  • Von Intellektualität zur Intelligenz des ganzen Menschen
  • Bewusstseinsinstrumente

Die Liebe üben

  • Eine gescheiterte Palastrevolution
  • Liebe –eine erkenntnistheoretische Kategorie?
  • Von der Außenseite der Welt an die Innenseite
  • Das emphatische Ich im Prozess des Erkennens
  • Eine andere Wissenschaft ist möglich
  • Kontemplative Bildung und kontemplatives Forschen
  • Mit-Wissenschaft
  • Kultur der Nachhaltigkeit – Kultur der Liebe?
  • All-ein-sein
  • Horchen und Hämmern Tag und Nacht

Sterben

  • Dort, von wo das Lebendige entspringt
  • Sich selbst überschreiten
  • Ein zweifaches Tabu
  • In der Todeszone
  • Sterben, bevor man stirbt
  • Eine Aufklärung der Aufklärung
  • Ein poetisches Verhältnis zur Welt
  • Sozialen Wandel von der Zukunft her gestalten
  • Horchen in der Todeszone

Gesunden

  • Hoffnung ist nicht Optimismus
  • Kultur neu denken
  • Eine »Wirtschaft der Liebe«
  • Bürgerinnen und Bürger der Erde
  • Ehren
  • Nachhaltigkeitspolitik im Modus des Ehrens
  • Schönheit – Baustoff einer Zukunft mit Zukunft

Vom Klimawandel

  • Knappes Gut Humanität
  • Ein blinder Fleck
  • Entwicklung neu denken
  • Erneuerbare Energien
  • Die Wärmeplastik
  • Ein neuer Humanismus?
  • Die Evolution sind wir

Über die Autorin:

Dr. phil. Hildegard Kurt,

geboren 1958. Studium der Germanistik und Romanistik, freie Übersetzerin und Autorin. 1999 Promotion am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität Berlin. Seitdem freie Kulturwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Kunst und Nachhaltigkeit, ästhetische Bildung, Interkultur und Dialog der Kulturen. Publikationen, Lehrtätigkeit und Vorträge im internationalen Kontext. Diverse Stipendien und Auszeichnungen. Initiatorin von Kultur- und Kunstprojekten. 2004 Mitbegründerin von »und. Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit e.V.«, dessen Berliner Büro sie seitdem leitet. Seit 2009 auch praktisch auf dem Feld der Sozialen Plastik tätig.


224 Seiten, 31 z.T. farbige Abbildungen, Klappenbroschur

EUR 19,80 
ISBN 978-3-86783-035-5